ORTA... EIN UNVERGESSLICHER TRAUM !

Die Fahrt nach Orta ist ein Tauchen in die Vergangenheit, ist ein Spaziergang in die Zeit.
Orta ist ein kostabares Juwel, das mehrere hundert Jahre gebraucht hat, um zu wachsen, und das noch heute Spuren von mittelalterlichen Haeusern, Wohnungen des 16. Jhds., Barockgebaeuden und neoklassizistischen Villen besitzt.

Alle diese Gebaude befinden sich parallel zum See, sie sind im Gruenen versteckt oder sie halten Wache bei den zwei Seiten der Motta, der Steigung, die uns bis zur Pfarrkirche fuehrt.
Wenn das Sommerfieber vorbei ist, wenn die Touristen fortgegangen sind, hat man den Eindruck, sich in ein laengst vergangenes Buehnenbild zu befinden, das nur teilweise von seinen Schauspielern gelebt wird.

O.R.T.A., das heisst vier Buchstaben, die ein unerforschliches Geheimnis bestimmen: Orta verteidigt seinen ewigen Mythos durch eine gewisse Teilnahmslosigkeit, die typisch fuer den alten Adel war.
Das Dorf klammert sich an die Halbinsel, die durch den S. Franziskus von Assisi gewidmeten Berg zart “ueberwacht” ist.

Es wartet auf den Touristen und bietet ihn einen friedlichen Gruss.
Die Schoenheit der Hauser wird erklaert, indem man die religioesen Denkmaeler wie den Heiligen Berg in Betracht zieht, wo der Architekt, der Bildhauer und der Maurer faehig waren, die Natuerlichkeit des Ortes zu unterstreichen.

Nach einem Minigolf, rechts, fuehrt eine Strasse den Tourist gerade ins Zentrum.
Man kommt vor der kleinen Kirche S. Rocco, die im Jahre 1631 von den Einwohnern von Orta nach einer Pestilenz gebaut wurde.
Man geht nach links, in die Via Olina, der wichtigste Weg vom Dorf.
Hier, wie auch anderswo, kann man eine der bedeutendsten Handwerke der Einwohner dieses Ortes, d. h. das Schmiedeeisen, bewundern.
Dieses Handwerk war sehr bluehend in Orta und in der Umgebung.

Heute kann man naemlich Gitter, Gelaender und kleine Balkone noch bewundern, die so leicht wie eine Stickerei und reich an einem uebermaessigen dekorativen Geschmack sind.
Man muss auch die Portalen, die Simse der Eingaenge und die Konsolen bemerken, an denen die kleinen Balkonen lehnen.
Manchmal verheiratet sich der Eisen mit dem Lokalstein, Granit und Gneis, und sie schaffen zusammen eine perfekte Harmonie zwischen Stein und Metall.

Unsere Augen werden auch einige sehr elegante Barockfassaden, die mit Stuckwerk geschmueckt sind, und kleine zarte Loggien bemerken.
Die Via Olina fuehrt zum sehr pittoresken Hauptplatz, der “Wohnzimmer” genannt wird.
Er ist rechteckig: drei Seiten sind von Gebaeuden mit Laubengang gebildet und die vierte Seite blickt auf den See, auf den Landungssteg, von dem man die Insel S. Julius erreichen kann.

Am Platz befindet sich das alte Rathaus von Orta (1582).
Auf vier Arkaden gebaut, seine Fassade ist durch Wappen bemalt und ein Glockenturm ueberblickt das Gebaeude.

Die interessantesten und wichtigsten Gebaeude befinden sich dem Rathaus gegenueber und Via C. C. Albertoletti, “La Motta” entlang.

Man sieht links, an der Muendung eines Seitenwegs Via Bersani, die reich an mittelalterlichen Elementen und an Arkaden ist, einen abgebrochenen Turm vom Jahre 1306.

Der schuechterne, introvertierte deutsche Philosoph Friedrich Nietsche kommt 1882, zufaellig nach Orta.
Waehrend eines Ausflugs auf den Sacro Monte verliebt er sich unsterblich in Lou Salome, russische Dichterin und seine Reisegefaehrtin.
In der Stille des Walds “wo die Nachtigallen singen” kuesste er sie.
Der Dichter wiederholte staendig:“... Sacro Monte...der schoenste Traum meines Lebens”.

Dann schrieb er sein Meisterwerk, den “Zarathustra”, uebertitelt mit “Von ORTA an”. Auch der franzoesische Romanshriftsteller Honorè de Balzac erinnert sich an diesen See in einem seiner Buecher wie folgt: “Stellt euch einen Reisenden vor, der, muede von den Tausend reichen Eindruecken Brasiliens, Italiens und Indiens in sein Vaterland zurueckkehrt und auf seinem Weg einem entzueckenden See begegnet, dem Ortasee, mit einer verloren auf dem Stillen Wasser liegenden Insel, zierlich und einfach, primitiv und bequem, einsam und gut gestattet.

Das prunkvolle und sein Getuemmel liegen entfernt, seine Proportionen werden wieder menschlich.”.
Gerade auf eine “mennschliche Groesse” ist dieser See ausgerichtet, denn, wie Mario Bonfantini, einer der beruhmtesten Schriftsteller und Gallizisten der Weltliteratur schrieb, er kan von “einem Blick umfasst werden”.


"Orta, das Aquarell Gottes,
erscheint wie ein Gemaelde,
das auf seidene Grund gemalt ist,
mit seinem Heiligen Berg im Ruecken,
seiner edlen Rambla und seinen Palaesten.
Sein stiller Dorfplatz,
mit den demuetig hinter dem Laub der Rosskastanienbaeume halbversteckten Fassaden,
blickt auf die der schwebenden dantischen Fegfeuerszene gleichende Insel San Giulio,
die zoegernd zwischen Wasser und Himmel erscheint.

Piero Chiara